Spielberichte 8. Meisterschaftsrunde Herren 4. Liga KF

Gerbrunnen, Fluch oder Segen?

Da steht sie, die Festung am Fusse des unteren Hauensteins. Ein wahrer Blickfang in der hügeligen Landschaft des Jura-Südfusses (je nach Perspektive oder eingenommenen Substanzen). Der Tempel, in welchem schon etliche Stossgebete in Richtung Himmel gesandt wurden. Nebelschwaden umgarnen die orange Kultstätte und verleihen ihr einen mystischen Touch. Der Ort, an welchem legendäre Schlachten ausgetragen wurden.  Schweiss, Blut, Tränen der Freude sowie auch Tränen des Leides flossen in diesem heiligen Gemäuer zu Boden. Krankenwagen, Polizei oder Drogenkommando, alle waren sie schon zu Besuch.
Zwischen diesen ehrenhaften Mauern, in welchen wahre Legenden ihre durchgelatschten Turnschlappen über den bläulichen Boden tippeln liessen, ereignete sich schon manch spektakuläre, emotionale, schöne, fragwürdige oder auch widerliche Szene ab. Von den angesprochenen Legenden zeugen noch die unter das Hallendach gezogenen Trikots ihrer endlosen spielerischen Eleganz…Sascha „Gimli“ Berger, Dominik „Milchexpress“ Hess, Andreas „Vuvuzela“ Bütschli, Christoph „death metal“ Henzmann…und wie sie alle heissen. Ja, sie sind immer wieder gern gesehene Gäste: Ob in der Halle beim Praktizieren oder Beäugen dieses schnellen und attraktiven Sports, zum Gratisduschen, wenn zuhause wieder einmal die Wasserrechnung nicht bezahlt werden konnte oder einfach zu geselligem Burger und Bier beim Turnier.
Für uns Herren ist der Gerbrunnen leider kein erfolgreiches Pflaster, denn der letzte Sieg in der Meisterschaft liegt drei Jahre und ein paar Tage zurück. Es war der 8. März 2015, in der 3. Liga, ein 6:5 gegen den heutigen Gegner FBC Känerkinden 03. Ein gutes Omen?

Im ersten Spiel trafen wir auf Bohrmaschine Zeiningen. Bosch? Makita? Oder doch Milwaukee? Auf jeden Fall schienen diese Bohrmaschinen bereit zu sein. Beide Teams tasteten sich zu Spielbeginn ein wenig an den Gegner heran. Grosse Risiken wurden auf beiden Seiten (noch) keine eingegangen. Zur Hälfte der ersten Halbzeit fasste sich Dobler ein Herz, bedrängte den Zeininger energisch, eroberte den Ball schulbuchmässig und drosch die Kugel selbstbewusst ins Tor! Wer nach diesem Treffer ein Offensivfeuerwerk erwartete, wurde leider enttäuscht. Während dem Rest der Halbzeit vergaben beide Teams diverse Abschlussmöglichkeiten. Die Torhüter konnten sich ein ums andere Mal auszeichnen, richtig gefährlich wurde es aber nie.
In der zweiten Halbzeit kontrollierten wir das Geschehen teilweise deutlich. Der Gegner scheiterte bei seinen wenigen Offensivaktionen entweder an unserem Abwehrbollwerk, oder am starken Graf. Unsererseits wurde in der  Offensive so massiv gesündigt, wie das in gewissen einschlägigen, regionalen Etablissement und Freudenhäusern Gang und Gäbe ist. Der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Wie so oft kam das Sprichwort „wer sie vorne nicht macht, bekommt sie hinten“ zum Zug. Zeiningen nutzte einen individuellen Defensivfehler unsererseits aus und schob zum 1:1 ein. Nun schossen wir aus allen Lagen, trafen aber das Tor immer noch nicht. Hätten wir keine überdachte Halle, die Bälle wären entweder bei Frau Studer im Garten, oder auf dem Rumpel  bei der Terrasse gelandet. So verstrichen die Minuten weiter ohne Änderung auf dem Scoreboard, bis die Schlusssirene ertönte. Nur zwei Tore in einem Kleinfeld-Unihockeymatch, das habe ich wahrlich noch nie erlebt! Aber es gibt immer wieder erste Male im Leben. 1:1!

Im zweiten Match wartete Känerkinden, ein unangenehmer und aufsässiger Kontrahent. Beenden wir endlich die Negativserie im heimischen Gerbrunnen? Zu Beginn deutete nicht allzu viel darauf hin. Känerkinden war spritziger und stiefelte uns immer einen Schritt voraus. Geiser parierte ebenfalls sehr gut und so stand die Null weiterhin stramm. Langsam fingen wir uns und zogen unser Spiel auf. Kurz darauf ernteten wir die ersten Früchte unserer Arbeit. Der Schuss von Coray kullerte zwischen den Hosenträgern des gegnerischen Torhüters hindurch und A. Hurni vollendete gewohnt dreckig 😉 1:0! Das Spiel wurde nun leicht unruhiger und gehässiger. Ab und zu flogen Spieler in oder über die Banden. Den zwischenzeitlichen Ausgleich beantwortete der sonst schon geladene Gurzeler gewohnt abgebrüht mit der 2:1 Führung (Pass Hoffmann). Den erneuten Basel-landschaftlichen Equalizer wurde diesmal durch Dobler beantwortet. Mit einem Energieanfall schwang er sein Kampfgewicht über das ganze Feld und versorgte den Ball mit einem sauberen Slapshot im Tor. Pause, 3:2.
In der Pause entlüfteten wir nochmals unsere Schädel, ehe Kultcoach Schenker uns zurück aufs Feld peitschte.
Hoffmann schien Schenker’s Inputs am besten aufgenommen zu haben, denn er erzielte mit einem  schönen Hocheckschuss das 4:2 (Pass Gurzeler). Danach taumelte das Spiel ein bisschen vor sich hin. Die Mannschaften führten eine kontrollierte und weiterhin giftige Klinge. In dieser ruppigen Phase schieden mit Hoffmann (erneuter Kreuzbandriss) und A. Hurni (Fuss verknackst, Bänderverletzung) zwei lauffreudige Teamkollegen aus. Gute Besserung euch! Der vor Lebenserfahrung sprühende Yves Hurni gab somit sein Saisondebut und präsentierte schon kurze Zeit später seinen leichtfüssigen Laufstil. Unser David Guetta-Verschnitt Raphi Bühler kam ebenfalls wieder ins Spiel und flitzte kurzerhand wie eine Gazelle übers Feld. Wenig später erhielten wir eine Strafe, welche Känerkinden zum Anschlusstreffer ausnützte. Kurz darauf netzten sie nach zu langsamen Verschieben unsererseits zum 4:4 ein. Nun läuteten beide Teams die Schlussoffensive ein. Die Bälle flogen den Torhütern nur so um die Ohren. Wir kassierten drei Minuten vor dem Ende eine ziemlich unnötige Strafe – ja, der angesprochene Protagonist, Name der Redaktion wieder bekannt, weiss es selber 😉 – mit einem im Eishockey gefeierten Schussblock, welcher im Unihockey mit Bodenspiel bestraft wird. Dank des starken Boxplay’s überstanden wir die Strafe schadlos (abgesehen von ein paar Ballabdrücken auf den Schienbeinen der Spieler, aber dieser Schmerz, ist bekanntlich der schönste Schmerz 😉 ). Nach diesen Szenen konnte Känerkinden trotzdem noch reüssieren, 30 Sekunden vor dem Ende via Konter zum 4:5. Wir probierten alles um den Ausgleich zu schaffen. Trotz Chancen, brachten wir die Fünf nicht mehr auf die Resultattafel. Das Spiel hätte auf beide Seiten kippen können, sie waren in der entscheidenden Phase einen Tick cleverer. Sehr schade, der Kampf und die Defensivarbeit waren gut. Wieder einmal scheiterten wir an unserer Abschlussschwäche. Den Gerbrunn’schen Heimfluch konnten wir nicht besiegen.

Ein herzliches Dankeschön allen Zusehenden!

Weiterhin stehen wir auf Platz Zwei. Der erste Rang hat sich nun definitiv Flüh unter den Nagel gerissen. An der letzten Meisterschaftsrunde in Kappel wollen wir immerhin Platz Zwei verteidigen.

Hochachtungsvoll
Andriu Coray alias Heini Aebersold, Leiter für aussergewöhnliche Kurserlebnisse wie autogenes Sackhüpfen, taktvolles Heuwenden oder erotisches Mandala malen