Spielberichte 2. Meisterschaftsrunde Herren 4. Liga KF

Ein Sonntag für die Geschichtsbücher
Es ist Herbst, sehr launisch, schlägt manchmal dezent aufs Gemüt: Dauermüdigkeit, Polarluft oder die Zeitumstellung, der Jetlag des Proleten. Haben sie schon Kastanienmännchen gebastelt dieses Jahr? Ich schon, das entspannt. Es gibt wenig Schöneres als im Kaminzimmer zu sitzen, zusammen mit den Kindern kleine Löcher in die Kastanien zu bohren und aus Zahnstochern kleine Beinchen zu machen… schwubdiwub ein Tier! Leider habe ich kein Kaminzimmer, geschweige denn Kinder.
Dazu kommen die längere Dunkelheit und ein altbekannter Freund namens Nebel, eintönig! Diese Komponenten machen den Aufstehprozess, bei welchem sich der Mensch mühevoll, orientierungslos und nur sehr träge aus seinem gefederten Schutzbunker quält, zu einem wahren Kraftakt. Wo ist er nur, der so sympathische goldene Herbst? Apropos eintönig: Gerne vergleiche ich die herbstliche Schattenseite mit dem Motorsport Formel 1 (Greta Thunberg soll grosser Motorsport Fan sein). Ich versteh das Konzept ja sowieso nicht, die fahren ja nirgendwo hin. Wenn man jetzt wenigstens sagen könnte: Lewis Hamilton setzt sich direkt an die Spitze, auf seiner Fahrt nach Zürich, auf der Rückbank 8m2 Teppichfliesen für Susi‘s neue Liebesoase im Niederdorf. Aber der fährt nur im Kreis, der Vogel…

Am Sonntag des 20. Oktober machten sich elf tapfere Hänsel auf die Suche nach dem Lebkuchenhäuschen und wollten der bösen Hexe ein paar Punkte abluchsen. Gretel blieb übrigens Zuhause und las ein gutes Buch. Der Weg führte uns aus dem Nebel heraus nach Riehen BS, in welchem zwei Nachbarduelle auf uns warteten. Einerseits das altbekannte Kappel, andererseits das fast neu gegründete und turmhoch favorisierte Wangen, welches aus Angst der Unterforderung? die beiden untersten Ligen lieber überspringen wollte.
Im ersten Spiel gegen Kappel darf unsere Leistung milde gesagt als „bescheiden“ betitelt werden. Kappel spielte clever und abgeklärt, wir hingegen waren im Geiste nicht wirklich anwesend und dementsprechend immer einen Schritt zu spät und generell zu ungenau. Klingt ein bisschen wie die Schattenseite des Herbstes, welcher eigentlich grosses Potential in sich stecken hätte. Logische Folge: 5:9 Niederlage.
Ehrlich gesagt weiss ich nicht mehr, was sich das Team in der Pause bis zum zweiten Spiel des Tages in die Speiseröhre geschüttet hat, es muss ein Vergnügungspark in flüssigem Aggregatszustand gewesen sein. Gegen Wangen starteten wir hellwach, schwungvoll und aufsässig.
Obwohl der Gegner phasenweise dominant auftrat, blieben wir auch dank einem sackstarken Eti im Gehäuse immer im Spiel und konnten überraschenderweise mithalten. Auch die zwischenzeitliche 3:1 Führung für Wangen interessierte uns herzlich wenig. Wir spürten, es ist möglich diesen Goliath heute zu bodigen. Keine Ahnung wann wir zuletzt so viele Meter auf dem Feld abgespult haben. Kurz vor der Pause gelang uns der 2:3 Anschlusstreffer. Aus dem Feuer, das jeder von uns in diesem Spiel in sich trug, wurden als Folge des Anschlusstores wahre Waldbrände entfacht. Nach dem Pausensäftchen war unsere junge U20 Fraktion kaum zu halten. Nun folgte die Sternstunde von Pädi Thöni. Mit zwei Treffern versetzte der wilde Jüngling den Gegner in Schockstarre und unser Team zugleich in Ekstase! Der Trimbacher Schnellzug war nun nicht mehr aufzuhalten. Nici setzte in dieser Phase noch einen drauf und markierte das 5:3. Eskalation grande! Die Wangener schienen mit dieser ungewohnten Situation nicht wirklich klar zu kommen und agierten ziemlich nervös…wir zogen unser Spiel durch und Pädi durfte sich nach seinem Schuss ins verlassene Wangener Tor sogar den Hattrick gutschreiben lassen! Die Resultatkosmetik zum 4:6 darf als Randnotiz gewertet werden.

Die Freude unsererseits war riesig! Nahestehende, welche in diesem dynamischen Sport in höheren Ligen um den gelochten Ball kämpfen, prophezeiten uns eine Niederlage im zweistelligen Bereich…naja, kann sich ja jeder einmal irren…;) Dem Gegner fügten wir die erste Meisterschaftsniederlage der Vereinsgeschichte zu…die war wohl noch nicht in der 4. Liga budgetiert gewesen.
Hochachtungsvoll
Doktor Ellbogen, ich grüsse noch den Captain von Wangen! Noch nie hat mir jemand so charmant „gesagt“, dass er sich mein Gesicht merken würde. Ich sehe das als Kompliment, bin aber nicht interessiert.
Nimm es locker alter Knabe, ein weiser Typ aus dem beschaulichen Örtchen McClellanville nähe Charleston im US-Bundesstaat South Carolina sagte einmal: Weine nicht über verschüttete Milch.