Spielbericht 1. Meisterschaftsrunde Herren 4. Liga KF

Fehlstart in Liestal

Das Herren-Team startet denkbar schlecht in die neue Saison. Gegen Sissach und Liestal mussten wir jeweils als Verlierer vom Feld schleichen, obwohl wir phasenweise vor allem defensiv sehr ansehnlichen Unihockeysport zeigten. Zwei alte Laster kosteten uns die Punkte: Die Chancenauswertung und die Unkonzentriertheit nach fragwürdigen Entscheidungen.

In der ersten Halbzeit des Saisonstarters gegen Sissach war keine Spur von gegenseitigem Abtasten erkennbar. Beide Teams legten eine wilde Performance aufs Parkett. Dies erinnerte mich an die ähnlich wilde Darbietung eines Schreiner-Schnupperlehrlings zurück, welchen wir in diesem Sommer betreuten. Dieser hormonell übermotivierte Drittnamen-Bengel der Marke Dustin-Kevin-Jason zeigte ein beunruhigendes Bild der heutigen Jugend auf. (Klar, es sind nicht alle so.)
Ähnlich dramatisch steht es um unsere Kaltblütigkeit vor dem Tor. Ein ums andere Mal sündigten wir vor dem gegnerischen Gehäuse. Nico Stampfli glich kurz vor der Pause den Rückstand doch noch mit einem schnippischen Handgelenkchip aus (Pass: Hug). Pausenstand 1:1.
Nachdem A. Coray via Weitschuss (Pass: Dobler) auf 2:1 erhöhen konnte, artete das Spiel aus. Wieder einmal flogen die Spieler in und über die Banden. Unser werter Schiri, ein paradiesischer Alt-Hippi mit Hang zum Wahnsinn, verlor das Spiel komplett. Indiz: Vor dem Spiel mussten wir sogar noch zur Spielerkontrolle antraben, schon da ahnten wir das Unheil kommen. Denis schied zudem mit einer Bänderverletzung aus. Sissach seinerseits konnte das Spiel drehen und kurz vor dem Ende zum 2:4 ins verlassene Tor einnetzen.

Nochmal zurück zu Dustin-Kevin-Jason: Da stand der aufgeblasene, pubertierende Halbhohe vor mir und musterte mich von oben bis unten und legte plötzlich los (ich hatte eine kurze Hose an):“Boa ey Andreas, ist echt ein No-Go deine „unfreshe“ Beinbepelzung. Wenn du richtig Erfolg beim „adden, daten oder socializen“ der Frauen haben willst, musst du dir die Beine rasieren“. Diese Worte aus dem Munde eines 14-Jährigen, in solchen Momenten bekomm ich immer Adrenalinschübe. Ich ignorierte die Vorführung dieses Klappspaten und zeigte ihm das erste Übungsstück.
Beim Mittagessen fiel mir auf, dass er vegan speiste. Meine Wenigkeit packte ein gutes Stück Fleisch aus und verspeiste es nach dem Mikrowellengang genüsslich. Er fiel total in ein Loch:“ Das Fleisch macht dich kaputt! Du isst viel zu viel Fleisch…die Umwelt!“ und ass einen Reisspuffer und trank sein Bio-anti-aging-Kokoswasser. A:“Reisspuffer hat man früher zum Fenster dichten oder als Pinnwand benutzt! Das Fleisch soll mich kaputt machen? Nein, ich bin ein 90er, wir haben so viel ausprobiert, getrunken und gegessen, das Fleisch macht mich nicht kaputt!“ Die Debatte war eröffnet…

Das Spiel gegen Liestal begann ruhig und kontrolliert. Die Teams steigerten das Tempo aber zusehends. Zwischendurch gab es grenzwertige Szenen. Unsere Bank blieb über das ganze Spiel einigermassen ruhig. Im ersten Match tobte der Mob regelmässig, die Konzentration kam so stets abhanden.
Zur Pause lagen wir mit 1:2 zurück, Joel Müller konnte mittels Weitschuss reüssieren.
In der zweiten Halbzeit gab es wenige Torchancen, die Teams fanden den direkten Zug zum Tor nicht mehr und der Ball wurde kontrolliert in den Reihen gehalten. Nach dem 1:3 verkürzte Alain Hurni mit einem frechen Backhander (Pass: A. Coray) auf 2:3. Kurz vor dem Ende nutzen die Liestaler einen Stellungsfehler zum 2:4 aus. Joel traf Sekunden vor der Sirene nochmals mit einem strammen Weitschuss zum 3:4 (Pass: Dobler). Bei diesem Resultat blieb es bis zum Schluss.

… Am Ende des Tages hatte der Lümmel die Übungsrahmeneckverbindung fertiggestellt, rief mich und sagte nur:“ bääm!“, zückte sein Handy und schoss ein Selfie von sich mit dem Übungsstück und stellte das Foto (kein Scherz) sofort auf Instagram. „Andreas, das Teil hab ich easy fresh gerockt“. Der Arbeitskollege kam hinzu und entgegnete ihm trocken:„Nein hast du nicht, das hat mit rocken überhaupt nichts zu tun. Rock’ n Roll ist meiner Auffassung nach Elvis Presley, AC/DC, Foo Fighters, Metallica, Rolling Stones, Status Quo etc. und du bist gerademal Evolutionsstufe Justin Bieber.“
Es wurde jedenfalls eine lange und nervenaufreibende Woche, hoffentlich wird unsere Saison nervenschonender! 😉

Möglichkeit zur Korrektur des Fehlstarts haben wir bereits am 14.10.2018. Gegen Oensingen und Bubendorf stehen in Balsthal die nächsten Spiele auf dem Programm.

Hochachtungsvoll

Andreas Coray, mag die bald wieder startende Faschings-Zeit nicht. Denn ich wurde zum Umzug eingeladen und war der einzige der verkleidet war, alle anderen haben Kisten und Möbel geschleppt.