Bericht bisherige Meisterschaftsrunden Herren 4. Liga

Geschätztes Lesevolk, Wortartisten und Stocksportverrückte,

ich melde mich aus einer etwas längeren Kreativpause zurück. Mittlerweile haben die Trimbacher Herren schon sieben von neun Spieltagen der Saison 19/20 absolviert. Dies sollte eigentlich ein griffiger Rückblick über die letzten Monate werden.
Wenn ich mich richtig besinne, ist der letzte Bericht im sich wieder sehr weit weg anfühlenden Jahr 2019 erschaffen worden. Seither ist viel Wasser die Aare herabgeflossen (was für eine scheiss Floskel). Der Dezember brachte nicht nur viele Festivitäten und gepflegten Alkoholismus mit sich, sondern verbreitete mit dem Nichterscheinen der Himmelsflocken und dem systematischen Überkonsum von Weihnachtsmärkten und Zimtsternen quasi Weihnachtsstimmung. Der Dezember brachte unserer Herrenmannschaft hart erkämpfte vier Punkte aus vier Spielen ein. Wie so oft zeigten wir eine gute und eine schwache Partie. Coach Schenkers Nerven will diese Saison definitiv niemand haben. Dagegen wäre ein Besuch im Verzasca-Tal zum Bungee springen pure Erholung.

Stellt euch nun vor, ihr steht in dreckigen Überhosen vor einem viergeschossigen Neubau, neben euch wurden gerade zwölf Paletten Parkettboden abgeladen. Die Motivation ist in diesem Fall nicht am Überborden…nachvollziehbar. Naja, irgendwann muss man beginnen, so packten wir je zwei Stück und los ging das Ganztages Fitnessprogramm für Arme, Beine und Po. Wir betraten das Wohnobjekt und erspähten einen Lift. Es war ein Glücksgefühl vorhanden, das kann man sich nicht vorstellen. Umso tiefer war der Fall in eine leichte Depression, nachdem mein Kumpel festgestellt hatte, dass der Lift noch ausser Betrieb ist. Alle Gebete, Kraftausdrücke und eine Prise Galgenhumor halfen nichts, Hand auf Herz, Füsse auf den Tisch, wir mussten die Beine unter die Arme nehmen. Das stundenlange Treppensteigen wurde zum mentalen Kampf. Pro Stockwerk begegnete man aber immer wieder den gleichen Arbeitern anderer Berufsgattungen, mit welchen man von Zeit zu Zeit eine Art humoristisch-mobile Fernbeziehung führte. Da war einerseits der Italiener Paolo, früher Babo-Barbier mit der flinken Schere, heute Gipser. Seine Spässe, wilden Gestiken und Lachkrampfmimiken waren legendär, auch wenn wir nur die Hälfte verstanden hatten. Im zweiten Stock wartete jeweils Onyemaechi, Maler und ursprünglich aus dem Kongo. Die Fragestellung in der Bedeutung seines Namens: «Wer weiss, was morgen ist» konnten wir mit ziemlicher Sicherheit beantworten, nämlich heftigen Muskelkater an Stellen, von denen man nicht weiss, dass da überhaupt Muskeln existieren. Er versuchte uns mit Gesang und seinem afrikanischen Rhythmusgefühl stets zu motivieren, ein herrlicher Typ. Zu Oberst war der Ur-Basler Heini tätig. Ein wahrer Gaukler, welcher uns jeweils nach gefühlt jedem dritten Aufstieg auf den Mount Everest mit einem Schnitzelbangg empfing. Dank solch herrlichen Leuten wurde die Knochenbüez sehr kurzweilig.
Unihockeytechnisch brachte uns der Januar keine Schönheitspreise. Er zeigte eher Parallelen zum mentalen Kampf des Parkettschleppens auf und liess Liebhaber des körperbetonten Sports jubeln. Einen Spieltag, nur sechs Feldspieler und irgendwie einen Punkt aus Wangen gerettet. Die Aufholjagd gegen Liestal war geradezu episch, um so frustrierender war das Drama gegen Nuglar, welches nun im Buch «100 spektakulärste Niederlagen der Sportgeschichte» auf Seite 53 zu finden ist.

Im Februar durften wir unsere Heimrunde durchführen. Zwei prestigeträchtige Spiele standen auf dem Programm. Gegen Wangen mussten wir uns nach einem emotionalen und kampfüberbetonten Spiel geschlagen geben (lag vielleicht auch noch etwas an der Vorgeschichte). Gegen Kappel gaben wir den Vollerfolg zehn Sekunden vor Ende aus der Hand und konnten uns immerhin ein Unentschieden gutschreiben lassen.

Nun stehen wir zwei Runden vor Saisonende im luftlehren Tabellenraum. Auffallend: Die meisten der letzten Spiele waren eher kampfbetont…woran das wohl liegen mag?

Hochachtungsvoll

A.Coray: excusez-moi, bin etwas abgedriftet

Anmerkung: Es folgen nächstens ein paar Zeilen zum Saisonabbruch durch das Corona-Virus