Spielbericht 6. Meisterschaftsrunde Herren 4. Liga KF

Heroische Wende aber keine Konstanz

28. Januar, Sonntagnachmittag. Das Herren-Orchester versammelte sich im Leinfeld, 11 Anhänger der klassischen Musik und Taktstockwedler Schenker.
Am Samstag davor schlenderte ich durch die Migros in Olten. Ursprünglich wollte ich Zutaten für Crêpes einkaufen. Ich liebe diese glitschige, hauchdünne, mit verschiedenen Konfitüren eingesalbte Teigleckerei. Irgendwie beflügelte mich der Gedanke des baldigen Verzehrs dieser, aus Gottes Händen geschaffenen Edel-Schmauses. Ich spürte, bei so einem Menschenauflauf schien es kein normaler Migros-Besuch zu werden…In Gang vier schrie eine Oma um Unterstützung. Ein Glas war ihr aus der Hand gerutscht und auf den Boden gefallen. Ein kompetenter Mitarbeiter half der überforderten Dame sogleich. Ich wandelte weiter durch die Regale und beobachtete wie sich zwei junge Männer gegenseitig verbal aufs Dach gaben. Das war sehr amüsant. Im nächsten Gang machte ich einen Bogen um den frisch ausgeschiedenen Mageninhalt eines kleinen Vagabunden. Der Hosenpupser hatte trotzdem noch ein schelmisches Lächeln auf den Lippen. Die Eltern hingegen waren weniger erfreut. Kurz darauf kam ich im Gang an, in welchem meine Spezial-Zutat auf seinen Lieblingskunden wartete. Zusätzlich ertönte der Klassiker: „Eye of the tiger“ aus den Boxen, was für eine Kombination! Ich spürte mich kurz nicht mehr und sang inbrünstig mit. Es ging sogar soweit, dass ich die gute, alte „Dean Winchester leg guitar“ auspackte. Den vorbeilaufenden Komödiensympathisanten schien es jedenfalls zu gefallen…
Mit der 6. Meisterschaftsrunde der UHC-Herren hat das zwar wenig zu tun, aufregend war es trotzdem, genau wie unsere Spiele: Spitzenkampf gegen Liestal und Derby gegen Kappel.

Auf jeden Fall starteten wir fulminant in den Spitzenkampf. Müller (Pass Denis Stampfli) und Hoffmann (Pass Müller) eröffneten mit sehenswerten Toren das Score zu unseren Gunsten. In den jeweiligen Situationen überliessen die Liestaler uns viel Platz, sodass die Protagonisten ihre Bauchmuskeln im Speckmantel graziös über das Spielfeld gleiten lassen konnten. Der weitere Spielverlauf war geprägt aus einem Mix aus Kampf und (zu) komplizierten Offensivaktionen. Hektik kam aber zu keinem Zeitpunkt auf. Die Angriffe wurden teils mit einer atemberaubenden Eleganz vorgetragen. Dies war schön anzusehen, Erfolgserlebnisse blieben aber aus. Liestal fand den Weg auf das „Gleis 1, einfach spielen“ vor uns und konnte mit simplen Abschlüssen das Spiel vor der Pause auf 2:2 ausgleichen. Bis zum Pausentee verzeichnete kein Team mehr nennenswerte Aktionen.
Liestal fand nach der fünf-minütigen Ständeratssitzung in der Hallenecke besser ins Spiel. Die Partie wurde mit jeder Minute schneller. Unsere zahlreichen Schüsse wollten den Weg  ins gegnerische Ziel einfach nicht finden. In der Defensive standen wir gut, blockten viele Geschosse. Bis fünf Minuten vor Schluss schlug es trotzdem dreimal hinter Goalie Graf, welcher ein gutes Spiel ablieferte, in unserer Festung ein. Wir bekamen ein Powerplay zugesprochen, welches Coray mit einem – schön ausgedrückt „unnötigen Körpereinsatz“ zu Nichte machte. Als die 2gg2 Situation ohne Tore verstrich, kehrte Coray aufs Feld zurück und netzte via Drehschuss (Pass Hurni) ein. Als Rattaggi nur Augenblicke später unbedrängt  im Slot den Pass von Hoffmann versenkte, war die Wende eingeläutet. Auf unserer Spielerbank war nun eine gewaltige Energie und Spielfreude spürbar, sie überschwappte förmlich. Dirigent Schenker nahm Graf vom Feld, 4gg3. Dobler positionierte sich wie gewohnt vor dem Kasten, Coray zielte und glich die Partie mit einem Laser aus. Die Trimbacher-Bank tobte! Wir ritten die Erfolgswelle weiter und Hurni (Pass Coray) erzielte kurz vor Schluss via Freistoss das 6:5! Nun gab es auf der Spielerbank kein Halten mehr! Geschickt spielten wir die letzten Sekunden von der Uhr und erarbeiteten uns zwei Punkte aus dem Spitzenkampf… wahrlich heroisch! Toni S. harrte sogar das ganze Spiel auf der Tribüne aus. Das Zeichen schlechthin, dass wir einen guten Match abgeliefert haben 😉

Im letzten Match des Spieltages kam es zum zweiten Derby der Saison gegen Kappel. Der Gegner trat mit einer völlig anderen Mannschaft, als noch im ersten Duell an. Binder ersetzte den angeschlagenen Müller. Kappel überrumpelte uns zu Spielbeginn mit zwei Toren. Hoffmann düste wenig später wie der TGV von Paris nach Zürich „coast to coast“ übers Feld und versenkte den Plastik-Emmentaler-mild eiskalt wie die Engadiner Nacht. Danach gehörte die Bühne Star-Geiger Simon Hug. Mit seiner Stradivari fiedelte er wie André Rieu zu besten Zeiten. Auf Pass von Rattaggi glich er das Spiel im hohen C aus. Der erneute Führungstreffer Kappel’s beantwortete Hug mit einem langgezogenen D unter die Latte. Pause!
Hug hatte noch nicht genug und komponierte weiter an unserem Erfolgsstück. Im Slot drosch er den Ball in die Maschen. Mit seinem Hattrick-Tor (Pass Nico Stampfli) erreichte er scheinbar den Höhepunkt der Komposition. Dobler sah noch mehr Potential in den leidenschaftlichen Zeilen und knipste Backhand zum 6:3 (Pass Hurni). Das Publikum auf der Trimbacher Bank erhob sich vergnügt. Nach dem Treffer fielen wir in altes Fahrwasser zurück. Wir trafen das Tor nicht mehr. Unsere Aktionen hatten plötzlich weder Hand noch Fuss. Weitere Höhepunkte blieben aus. Kappel konnte das Heft und den Taktstock an sich reissen und erzielte tatsächlich noch den Ausgleich. In diesem Spiel hätten wir den zweiten Punkt nach Hause bringen müssen. Aber das Spiel…nein…der ganze Spieltag war ein Spiegelbild Mozarts‘ Werke: ein emotionales auf und ab.

Die Crêpes schmeckten übrigens wie immer vorzüglich.

Hochachtungsvoll

Andgang Amadreas Cozart, Komponist der Feinschmecker-Sinfonie „emotionale Achterbahnfahrt mit Konfitüre“